Imobersteg Wirtschaftskanzlei

 

Ein Pferd wird gemietet. Eine Kuh gepachtet.

Eine rentierende Unternehmung ist ideal für eine Nachfolgeregelung. Manchmal will sie trotzdem niemand kaufen. Vielleicht weil die Branche «unsexy» ist. Oder weil geeignete Mitarbeiter den Kaufpreis nicht aufbringen können. Die Unternehmung verpachten kann die Lösung sein.

Es gibt Unternehmer die nach dreissig Jahren von den immergleichen täglichen Herausforderungen müde geworden sind. Sie möchten die letzten Jahre im scharfen Bewusstsein des Lebens mit der Ehefrau verbringen, auf Reisen gehen, oder irgendwas anderes tun als 80 Stunden die Woche zu arbeiten. So gibt es auch Arbeitnehmer, die mehr Verantwortung übernehmen würden: Das Personal führen und die Zukunft der Unternehmung bestimmen. Doch das Kapital für den Kauf der Firma des Patrons ist im Einfamilienhäuschen gebunden. Und der Saldo auf der Pensionskasse ist zu niedrig. Weil beide Zustände nicht zielführend sind, gehen gemäss Studie der Zürcher Hochschule für Wirtschaft pro Jahr 10'000 bis 15'000 Arbeitsplätze aufgrund schlecht geplanter Nachfolgeprozesse verloren. Daher müssen neue Geschäftsmodelle der Nachfolgeregelung praktiziert werden. 

Der Unterschied zwischen Miete und Pacht
Wenn ein Pferd grossmehrheitlich nicht für die Lebensmittelproduktion vorgesehen ist, dann wird es als Heimtier kategorisiert. Es bedient ein menschliches Interesse am Tier selbst. Es wird als Gefährte im Haushalt gehalten und man tut viel für sein Wohlbefinden. Will man ein Pferd verkaufen, so schliesst man einen Kaufvertrag ab. Will man es für Reitstunden zur Verfügung stellen, dann wird es vermietet. Während der Nutzen eines Pferdes die Freude an der Freude ist, definiert sich der Nutzen einer Kuh aufgrund des Resultats ihres Produktionsvolumens an Milch. Der Bauer hält die Kuh nicht ihrer selbst willen, sondern weil er ihre «Früchte» ausbeuten will. Zusammen mit dem Bauernhof wird die Kuh als Teil davon verpachtet. 

Der Unterschied zwischen Eigentum und Besitz
So wie ein Bauernhof mit seinen Kühen während zwanzig Jahren der Verpachtung im Eigentum des Bauern verbleibt, so kann auch die Unternehmung im Eigentum des «Patrons» verbleiben, wenn dritte die Früchte (Dividenden) erarbeiten und ernten. Die Begriffe Eigentum und Besitz werden in der Umgangssprache für den gleichen Sachverhalt gebraucht. Das Gesetz vermutet, dass, wer eine (bewegliche) Sache im Besitz hat, auch ihr Eigentümer ist. Eigentum ist die rechtliche Beziehung einer Person zu einer Sache. Es beschreibt die tatsächliche Gewalt, eine Sache zu beherrschen, mit ihr zu machen, was man will. Man darf sie auch zerstören. Besitz ist demgegenüber die sichtbare Herrschaft über eine Sache. Das geleaste Auto befindet sich zwar im Besitz des Leasingnehmers. Faktisch gehört das Auto der Leasinggebenden Bank. Der Besitzer kann das Auto zerstören, doch er wird schadenersatzpflichtig gegenüber der Leasinggeberin. Im gleichen Sinne lässt sich die Unternehmung für unbestimmte Zeit einem Pächter übertragen, welcher die Unternehmung auf eigene Rechnung bewirtschaftet und verantwortet.  

Die Unternehmung als Pachtobjekt
Die Unternehmenspacht wird durch den Pachtvertrag geregelt. Der Verpächter übergibt den Betrieb in den Herrschaftsbereich des Pächters. Die Unternehmung als Pachtgegenstand beinhaltet das unbewegliche (Immobilien) und das bewegliche Anlagevermögen (Lager, Fahrzeuge) inklusive Marken, Patenten, Fabrikationsverfahren und Werbekonzepte. Sämtliche Kunden und Lieferantenverzeichnisse werden zur Bewirtschaftung übernommen. Das Umlaufvermögen wird zu einem vereinbarten Preis gekauft und mittels Verrechnung der übernommen Schulden bezahlt. Der Pächter übernimmt auch die Arbeitsverhältnisse. Im Gegenzug wird ein Pachtzins prozentual zum Umsatz, Cashflow oder Gewinn vereinbart. Der Pächter übernimmt alle Kosten und ist zur persönlichen und korrekten Führung des Unternehmens verpflichtet. Ein Konkurrenzverbot versteht sich von selbst. Nach Ablauf der Pacht übergibt der Pächter das unbewegliche Anlagevermögen in ordnungsgemässen und betriebsfähigen Zustand. Der Verpächter kauft das Umlaufvermögen zurück. 

Chancen und Risiken der Pacht
Wie vieles im Leben hängt der Erfolg einer Anstrengung vom Zufall ab. Bei der Pacht können die finanziellen Risiken durch eine sachgemässe Geschäftsführung minimiert werden. Vor allem wenn der Betrieb einem langjährigen Mitarbeiter verpachtet wird. Die Chancen sind augenfällig: Wertvolle Betriebe können durch Experten weitergeführt werden und der Patron erhält eine Rente. Falls vereinbart, sogar auf Lebenszeit.